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Warum Selbsthilfe? PDF Drucken E-Mail

Warum ist Selbsthilfe wichtig?

Die Bedeutung der Selbsthilfe hat in den letzten 30 Jahren immer mehr zugenommen. Für die professionellen Akteure ist der Wert und Nutzen der Selbsthilfe für die Sozial- und Gesundheitsversorgung unumstritten und von Host Seehofer in seiner Zeit als Bundesgesundheitsminister als vierte Säule des Gesundheitswesens beschrieben worden.

Alois Glück, der Fraktionsvorsitzende der CSU in Bayern, bezeichnete 1999 in Mühldorf Selbsthilfe sogar als das „Herzstück der modernen Bürger- und Sozialkultur“. Selbsthilfe wird in Bayern jedoch über alle Parteien hinweg geschätzt und anerkannt.

Gerade im 21. Jahrhundert, unter den Vorzeichen einer unübersichtlichen, digitalisierten Welt, die im gleichen Maße weitweite Vernetzung fordert, ist der einzelne Mensch häufig überfordert und vereinsamt.

Die Krise in der Wirtschaft und das Zusammenbrechen der sozialen Sicherungssysteme in Deutschland verunsichert und hinterlässt Lücken in der Versorgung. Selbsthilfe reagiert auf die Veränderungen in unserer Gesellschaft und greift aktuelle Themen unverzüglich und unbürokratisch auf. Selbsthilfe setzt an einer sozialen Notlage an, um durch Selbstverantwortung und kleine soziale Netzwerke den Einzelnen, die Gruppe und letztendlich das Gemeinwesen zu stärken.

Was ist eine Selbsthilfegruppe?

Selbsthilfegruppen sind Zusammenschlüsse von Menschen mit ähnlichen Problemen oder Anliegen im gesundheitlichen, sozialen oder persönlichen Bereich. Durch gegenseitige Hilfe und Erfahrungsaustausch unter Gleichbetroffenen stärkt die Gruppe den Einzelnen. Durch die Umsetzung von Erfahrungen in Ideen und Taten bereichert Selbsthilfe das Gemeinwesen.

Anstatt Resignation, Aufgabe und Verzweiflung haben Betroffene die Möglichkeit, selbst etwas zur Linderung der Beschwerden und zur Lösung eines Problems beitragen zu können. Sie werden selbst aktiv und übergeben die Verantwortung nicht sofort an professionelle Hilfesysteme wie die Ärzte und Krankenhäuser.

Betroffene und Fachleute berichten von positiven Wirkungen der Selbsthilfegruppen-Arbeit

  • von eindrucksvollen Erfolgen der Sucht-Selbsthilfe: hier werden durchaus lebensbedrohliche Krisen bewältigt,
  • vom Rückgang von Depressionen und Ängsten bei seelischen Störungen,
  • von einem anderen Umgang mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen, die durch Selbsthilfegruppen zwar nicht geheilt, deren seelische und soziale Folgen aber erheblich gemildert werden können,
  • davon, dass durch gute Gespräche manches Beruhigungs- oder Schmerzmittel ersetzt werden kann,
  • davon, dass die Betroffenen in Selbsthilfegruppen über diagnostische und therapeutische Möglichkeiten oft viel besser informiert werden, was ein ganz wichtiger Schritt zum „mündigen Patienten“ ist,
  • davon dass Selbsthilfegruppen neue „Netzwerke“ bilden – das ist für unsere Gesellschaft, deren Zusammenhalt bröckelt und in der viele isoliert sind, von großer Bedeutung. Selbsthilfegruppen sind dabei ein Ort, wo sich der Einsatz für die eigenen Angelegenheiten, das soziale Engagement für Mitbetroffene und die Einmischung in die Lebensumstände verbinden können.